27. Juni 2017 – Das Taschenfutter…

đŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒș

WP_20170620_033 (2)

FĂŒr alle die ĂŒber creadienstag , hand made on tuesday , Dienstagsdinge oder maschenfein auf meinen Blog aufmerksam wurden geht’s hier zu meinem Pullover „big dots“ oder ihr lest einfach weiter. Momentan arbeite ich an einer Handtasche.

 

đŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒșđŸŒș

…besteht aus einem Baumwollgewebe und muss selbstverstĂ€ndlich genĂ€ht werden. Das NĂ€hen ist nicht so meins – ich habe seit Jahrzehnten ein eher ambivalentes VerhĂ€ltnis dazu. Und das kam so…

Ich bin Diplom-Ingenieurin der Textil-Technik (damals hieß das noch so!). Vor Beginn dieses Studiums musste ich zunĂ€chst einmal ein 3-monatiges Grundpraktikum in der Textil- oder Bekleidungsindustrie ableisten. Eine ortsansĂ€ssige Bekleidungsfirma war schnell gefunden. WĂ€hrend des VorstellungsgesprĂ€chs wurde mir in Aussicht gestellt, dass eben jenes Praktikum zusammen mit den Auszubildenden in der Lehrwerkstatt durchgefĂŒhrt werden sollte. Cool 😎 – ich wĂŒrde nĂ€hen lernen! Kann ich schließlich immer mal gebrauchen.

An meinem ersten Arbeitstag wurde ich also der Ausbilderin, einer Schneidermeisterin, vorgestellt. GrundgĂŒtiger, ich werde das nie vergessen!!! Sie hieß FrĂ€ulein Pille (eine bittere wie sich bald zeigen sollte :mrgreen: ), und war eine alleinstehende Mittvierzigerin mit sehr hellem Teint, tiefschwarz gefĂ€rbten Haaren und knallrot geschminkten Lippen. Sie erinnerte mich ein bisschen an ein etwas in die Jahre gekommenes Schneewittchen. WĂ€hrend des ganzen GesprĂ€chs gönnte sie mir nur einen einzigen, giftigen Blick, der nichts Gutes erahnen ließ.

Mir wurde also ein Arbeitstisch zugewiesen und… das war’s!!! Ich wurde weder den anderen Azubis vorgestellt noch bekam ich eine irgendwie geartete Einweisung. Zugegeben, man braucht nicht zwangsweise ein abgeschlossenes Studium der Quantenphysik, um einen IndustrienĂ€her zu bedienen, aber ein paar erklĂ€rende Worte wĂ€ren schon hilfreich gewesen. Ganz offensichtlich hatte mich FrĂ€ulein Pille vom ersten Augenblick an nicht unbedingt in ihr kleines, verschrumpeltes Herzchen geschlossen. Unfassbar, ich war 19 Jahre alt!

Da saß ich nun also vor dem NĂ€her, mit Ă€hnlicher Ratlosigkeit wie neulich vor der Overlock, und beĂ€ugte zurĂŒckhaltend die Maschine und meine Mitstreiter. Blieb mir also ganz offensichtlich nichts anderes ĂŒbrig als mir das NĂ€hen durch „trial and error“ und das Abgucken von den anderen selbst beizubringen. Zwei Wochen ging das so. Das einzige zu dem sich FrĂ€ulein Pille dann und wann herabließ, war, in ihrem immer schneeweißen Kittel einer ChefĂ€rztin gleich, kurz an meinem Arbeitsplatz vorbei zu rauschen, um mir eindrucksvoll zu verdeutlichen, wie jĂ€mmerlich meine NĂ€hversuche seien. Nein, sie mochte mich definitiv nicht!

Um das an dieser Stelle mal ganz deutlich zu machen, ich war nicht die Einzige, die sie so unfreundlich und herablassend behandelte. Aus meiner heutigen Sicht, war sie die Personifizierung der Ungeliebten (manchmal entsprechen Klischees eben doch der Wahrheit 🙂 ) und schnauzte, bis ins Mark frustriert, einfach alle durch die Bank an. Alle… mit Ausnahme ihres Lieblings – der Klassiker eben! Was die ganze Sache nicht unbedingt erleichterte war die Tatsache, dass ich schon in jungen Jahren kein Mensch war, der Ungerechtigkeiten stillschweigend und klaglos hinnahm. Also wehrte ich mich verbal (obwohl ich ihr auch als sehr friedliebender Mensch lieber eine geknallt hĂ€tte 😉 ) und schloss fatalerweise die anderen in meine VerteidigungsplĂ€doyers mit ein. Au Backe – schwerer Fehler! Denn nun stand ich nicht nur ganz alleine da, nein ich war in den Augen von FrĂ€ulein Pille innerhalb von kĂŒrzester Zeit zum Fleisch gewordenen Antichristen avanciert. Und jetzt war definitiv Schluss mit lustig! Schluss mit dem lĂ€cherlichen „vor-mich-hin-NĂ€hen“! Schluss mit „vorlaut-sein“! Ich solle jetzt mal produktiver sein und so stellte sie mir einen StĂ€nder mit Blazern (aus der Produktion!!!)nebst einem Haufen Futter hin. Ich starrte sie fassungslos an. War das jetzt ihr Ernst? Ich sollte die Blazer EINFÜTTERN? I C H 8-0 ??? – ein NĂ€h-AnfĂ€nger, der in ihren Augen grĂ¶ĂŸte Dilettant unter Gottes Sonne! Weißt du wie schwierig das ist? Also um es mal vorweg zu nehmen, ich hab’s total verkackt… und weiß bis heute nicht wie man einen Blazer einfĂŒttert 😉 !

Zeitgleich trug sich folgendes zu: Der Sommer meines Praktikums war ungewöhnlich heiß. Wochenlange Temperaturen um die 30 Grad ließen die Mitarbeiter stöhnen oder auch einfach gleich umfallen. Speziell, die an der Vlieseline-Presse – die fielen reihenweise um. Es fielen so viele um, bis keiner mehr ĂŒbrig war.

Kurze ErklĂ€rung: Vlieseline ist, wie der Begriff schon vermuten lĂ€sst, ein einseitig mit Kleber versehenes Vlies, das zur Stabilisierung von zum Beispiel Kragen und Revers auf die linke Seite des Oberstoffs aufgebracht wird. Das geschieht mit großen Druck und der dafĂŒr notwendigen Hitze, die den Kleber verflĂŒssigt und damit auf dem Gewebe fixiert.

An besagter Presse werden die zu verstĂ€rkenden Teile zusammen mit der Vlieseline auf ein kurzes Fließband gelegt, auf dem sie dann in die Maschine gelangen. Das hat zur Folge, dass ein solcher Arbeitstag auch bei normalen Temperaturen sehr heiß und extrem „stinkig“ ist. Du kannst dir sicher vorstellen, welche DĂ€mpfe da trĂ€ge durch die Gegend wabern, wenn der Kleber verflĂŒssigt wird. Und dieser Umstand rief FrĂ€ulein Pille auf den Plan. Sie hatte von dem Problem an der Presse gehört und die passende Lösung in Form des „NĂ€h-Vollpfostens“ direkt bei der Hand.

Und so kam es, dass ich die verbleibenden 2 1/2 Monate meines Praktikums, dank meines ganz offensichtlich Àußerst stabilen Kreislaufs, an dieser Presse verbrachte. Jetzt stell‘ dir doch mal vor, ich hĂ€tte das nicht gemacht. Diese alles ĂŒberragende Erfahrung Vlieseline deckungsgleich auf den Oberstoff zu klatschen… da hĂ€tte ich mein Studium ja gleich schmeißen können 😉 !

Jetzt kennst du den Grund dafĂŒr, warum das NĂ€hen, trotz meiner Passion fĂŒr’s Handarbeiten, von mir nur in AusnahmefĂ€llen praktiziert wird. Aber vielleicht hat das Aufschreiben dieser kurzen Episode meiner Vergangenheit ja einen therapeutischen Wert 😉 und ich werde von dieser Sekunde an wie eine VerrĂŒckte nĂ€hen. Nö, wohl eher nicht 😀 !!! Aber das Schreiben an sich hat mir wie immer viel Spaß gemacht!

ZurĂŒck zum Futter…

Es ist rot-weiß gepunktet und hat dieselben Maße wie der Taschenkorpus (wĂ€re ja auch blöd wenn nicht 😉 !). Nach meinem Sieg ĂŒber die Overlock-Maschine sieht es so aus…

WP_20170625_013

Zum Fotografieren habe ich es verstĂŒrzt – eingenĂ€ht wird es natĂŒrlich von den anderen Seite. Und weil’s am Ende doch gut lief habe ich mich dazu hinreißen lassen auch noch ein kleines SeitentĂ€schchen aufzunĂ€hen.

Der Taschenboden wird nach dem EinfĂŒttern in die Tasche eingelegt. Er ist ebenfalls umfĂŒttert…

WP_20170625_016

… kann aber bei Bedarf durch einen rĂŒckwĂ€rtig eingearbeiteten Schlitz entnommen werden. Ist aber eigentlich gar nicht nötig, denn er kann mit gewaschen werden.

Kleiner Tipp: Auf der Suche nach dem passenden Material fĂŒr einen Taschenboden bin ich schließlich bei einem von diesen flexiblen Schneidebrettern gelandet. Die sind schön stabil und ĂŒberleben sogar die SpĂŒlmaschine. Da kratzt sie ein mĂ€ĂŸig temperiertes Bad in der Waschmaschine nicht im mindesten 🙂 .

Bevor ich das Taschenfutter jetzt aber einnÀhen kann, musste ich zunÀchst einmal die Seitenteile verstÀrken. Ich möchte nÀmlich nicht, dass die Seitenteile, an die ja der Trageriemen angebracht wird, bei Belastung lÀngen.

WP_20170626_006

Du siehst hier die linke Seite des Seitenteils. Wenn spĂ€ter das Futter darĂŒber kommt, wird dieses kleine Helferlein nicht mehr sichtbar sein. Das Band an sich ist ein stinknormales Schleifenband, das man in jedem Drogeriemarkt kaufen kann. Vor dem EinnĂ€hen habe ich mich davon ĂŒberzeugt, dass es beim Waschen nicht ausblutet. Habe ich schon erwĂ€hnt, dass die Tasche maschinenwaschbar sein wird? Ist auch wichtig, denn die Taschenklappe wird cremeweiß und aus diesem Grund mit Sicherheit im Laufe der Zeit einschmutzen. Aber mit der Taschenklappe, dem eyecatcher dieses „Projekts“ beschĂ€ftige ich mich erst im nĂ€chsten Post…

Dann schau‘ doch einfach wieder rein 😀 ! Bis dahin wĂŒnsche ich dir eine schöne Zeit 🔆!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ă„ndern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ă„ndern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ă„ndern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ă„ndern )

Verbinde mit %s