27. Juni 2017 – Das Taschenfutter…

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F├╝r alle die ├╝ber creadienstag┬á,┬áhand made on tuesday┬á, Dienstagsdinge┬áoder maschenfein┬áauf meinen Blog aufmerksam wurden geht’s hier┬ázu meinem Pullover „big dots“ oder ihr lest einfach weiter. Momentan arbeite ich an einer Handtasche.

 

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…besteht aus einem Baumwollgewebe und muss selbstverst├Ąndlich gen├Ąht werden. Das N├Ąhen ist nicht so meins┬á– ich habe seit Jahrzehnten ein eher ambivalentes Verh├Ąltnis dazu. Und das kam so…

Ich bin Diplom-Ingenieurin der Textil-Technik (damals hie├č das noch so!).┬áVor Beginn┬ádieses Studiums musste ich zun├Ąchst einmal ein 3-monatiges Grundpraktikum in der Textil- oder Bekleidungsindustrie ableisten. Eine ortsans├Ąssige Bekleidungsfirma war schnell gefunden.┬áW├Ąhrend des┬áVorstellungsgespr├Ąchs┬áwurde mir in Aussicht gestellt, dass┬áeben jenes Praktikum zusammen mit den Auszubildenden in der Lehrwerkstatt durchgef├╝hrt werden sollte.┬áCool ­čśÄ – ich w├╝rde n├Ąhen lernen! Kann ich schlie├člich immer mal gebrauchen.

An┬ámeinem ersten Arbeitstag wurde ich also der Ausbilderin, einer Schneidermeisterin, vorgestellt. Grundg├╝tiger, ich werde das nie vergessen!!! Sie hie├č Fr├Ąulein Pille (eine bittere wie sich bald zeigen sollte :mrgreen: ), und war eine┬áalleinstehende Mittvierzigerin mit sehr hellem Teint, tiefschwarz gef├Ąrbten┬áHaaren und knallrot geschminkten Lippen. Sie erinnerte mich ein bisschen an ein etwas in die Jahre gekommenes Schneewittchen. W├Ąhrend des ganzen Gespr├Ąchs g├Ânnte sie mir nur einen einzigen, giftigen┬áBlick,┬áder nichts Gutes erahnen lie├č.

Mir wurde also ein Arbeitstisch zugewiesen und… das war’s!!! Ich wurde weder den anderen Azubis vorgestellt noch bekam ich eine irgendwie geartete Einweisung. Zugegeben, man braucht nicht zwangsweise ein abgeschlossenes Studium der Quantenphysik, um einen Industrien├Ąher zu bedienen, aber ein paar erkl├Ąrende Worte w├Ąren schon hilfreich gewesen. Ganz offensichtlich hatte mich Fr├Ąulein Pille vom ersten Augenblick an nicht unbedingt in ihr kleines, verschrumpeltes Herzchen geschlossen. Unfassbar, ich war 19 Jahre alt!

Da sa├č ich nun also vor dem N├Ąher, mit ├Ąhnlicher Ratlosigkeit wie neulich vor der Overlock,┬áund be├Ąugte zur├╝ckhaltend die┬áMaschine und meine Mitstreiter. Blieb mir also ganz offensichtlich nichts anderes ├╝brig als mir das N├Ąhen durch „trial and error“ und das Abgucken von den anderen selbst beizubringen. Zwei Wochen ging das so. Das einzige zu dem sich Fr├Ąulein Pille dann und wann herablie├č, war, in ihrem immer schneewei├čen Kittel einer Chef├Ąrztin gleich,┬ákurz an meinem Arbeitsplatz vorbei zu rauschen, um mir eindrucksvoll zu verdeutlichen, wie j├Ąmmerlich meine N├Ąhversuche seien. Nein, sie mochte mich definitiv nicht!

Um das an dieser Stelle mal ganz deutlich zu machen, ich war nicht die Einzige, die sie so unfreundlich und herablassend behandelte. Aus meiner heutigen Sicht, war sie die Personifizierung der Ungeliebten (manchmal entsprechen Klischees eben doch der Wahrheit ­čÖé ) und schnauzte, bis ins Mark frustriert, einfach alle durch die Bank an. Alle…┬ámit Ausnahme ihres┬áLieblings – der Klassiker eben! Was die ganze Sache nicht unbedingt erleichterte┬áwar die Tatsache, dass ich schon in jungen Jahren kein Mensch war, der Ungerechtigkeiten stillschweigend und klaglos┬áhinnahm. Also wehrte ich mich verbal (obwohl ich ihr auch als sehr friedliebender Mensch lieber eine┬ágeknallt h├Ątte ­čśë ) und schloss fatalerweise die anderen in meine Verteidigungspl├Ądoyers mit ein. Au Backe – schwerer Fehler! Denn nun stand ich nicht nur ganz alleine da, nein ich war in den Augen von Fr├Ąulein Pille innerhalb von k├╝rzester Zeit zum Fleisch gewordenen Antichristen avanciert. Und jetzt war definitiv Schluss mit lustig! Schluss mit dem┬ál├Ącherlichen „vor-mich-hin-N├Ąhen“! Schluss mit „vorlaut-sein“! Ich solle jetzt mal produktiver sein und so stellte sie mir einen St├Ąnder mit Blazern┬á(aus der Produktion!!!)nebst einem Haufen Futter hin. Ich starrte sie fassungslos an. War das jetzt ihr Ernst? Ich sollte die Blazer EINF├ťTTERN? I C H┬á8-0 ??? – ein N├Ąh-Anf├Ąnger, der in ihren Augen gr├Â├čte Dilettant unter Gottes Sonne!┬áWei├čt du wie schwierig das ist? Also um es mal vorweg zu nehmen, ich hab’s total verkackt… und wei├č bis heute nicht wie man einen Blazer einf├╝ttert┬á­čśë !

Zeitgleich trug sich folgendes zu: Der Sommer meines Praktikums war ungew├Âhnlich hei├č. Wochenlange Temperaturen um die 30 Grad lie├čen die Mitarbeiter st├Âhnen oder auch einfach gleich umfallen. Speziell, die an der Vlieseline-Presse – die fielen reihenweise um. Es fielen so viele um, bis keiner mehr ├╝brig war.

Kurze Erkl├Ąrung: Vlieseline ist, wie der Begriff schon vermuten l├Ąsst, ein einseitig mit Kleber versehenes Vlies, das zur Stabilisierung von zum Beispiel Kragen und Revers auf die linke Seite des Oberstoffs aufgebracht wird. Das geschieht mit gro├čen Druck und der daf├╝r notwendigen Hitze, die den Kleber verfl├╝ssigt und damit auf dem┬áGewebe fixiert.

An besagter Presse werden┬ádie zu verst├Ąrkenden Teile zusammen mit der Vlieseline auf ein kurzes Flie├čband gelegt, auf dem sie dann┬áin die┬áMaschine gelangen. Das hat zur Folge, dass ein solcher Arbeitstag auch bei┬ánormalen Temperaturen┬ásehr hei├č und extrem „stinkig“ ist. Du kannst dir sicher vorstellen, welche D├Ąmpfe da┬átr├Ąge durch die Gegend wabern, wenn der Kleber verfl├╝ssigt wird. Und dieser Umstand rief Fr├Ąulein Pille auf den Plan. Sie hatte von dem Problem an der Presse geh├Ârt und die passende L├Âsung in Form des „N├Ąh-Vollpfostens“ direkt bei der Hand.

Und so kam es, dass ich die verbleibenden 2 1/2 Monate meines Praktikums, dank meines ganz offensichtlich┬á├Ąu├čerst stabilen┬áKreislaufs, an dieser Presse verbrachte. Jetzt stell‘ dir doch mal vor, ich h├Ątte das nicht gemacht. Diese┬áalles ├╝berragende┬áErfahrung Vlieseline deckungsgleich auf den Oberstoff zu klatschen… da h├Ątte ich mein Studium┬ája gleich schmei├čen k├Ânnen┬á­čśë !

Jetzt kennst du den Grund daf├╝r, warum das N├Ąhen, trotz meiner Passion f├╝r’s Handarbeiten, von mir nur in Ausnahmef├Ąllen praktiziert wird. Aber vielleicht hat das Aufschreiben dieser┬ákurzen Episode┬ámeiner Vergangenheit ja einen therapeutischen┬áWert ­čśë┬áund ich werde von┬ádieser Sekunde┬áan wie eine Verr├╝ckte n├Ąhen. N├Â, wohl eher nicht ­čśÇ !!! Aber das Schreiben an sich hat mir wie immer viel Spa├č gemacht!

Zur├╝ck zum Futter…

Es ist rot-wei├č gepunktet und hat dieselben Ma├če wie der Taschenkorpus (w├Ąre ja auch bl├Âd wenn nicht ­čśë !). Nach meinem Sieg ├╝ber die Overlock-Maschine sieht es so aus…

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Zum Fotografieren habe ich es verst├╝rzt – eingen├Ąht wird es nat├╝rlich von den anderen Seite. Und weil’s am Ende doch gut lief habe ich mich dazu hinrei├čen lassen auch noch ein kleines Seitent├Ąschchen aufzun├Ąhen.

Der Taschenboden wird nach dem Einf├╝ttern in die Tasche eingelegt. Er ist ebenfalls umf├╝ttert…

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… kann aber bei Bedarf durch einen r├╝ckw├Ąrtig eingearbeiteten Schlitz entnommen werden. Ist aber eigentlich gar nicht n├Âtig, denn er kann mit gewaschen werden.

Kleiner Tipp: Auf der Suche nach dem passenden Material f├╝r einen Taschenboden bin ich schlie├člich bei einem von diesen flexiblen Schneidebrettern gelandet. Die sind sch├Ân stabil und ├╝berleben sogar die Sp├╝lmaschine. Da kratzt sie ein m├Ą├čig temperiertes Bad in der Waschmaschine nicht im mindesten ­čÖé .

Bevor ich das Taschenfutter jetzt aber einn├Ąhen kann, musste ich zun├Ąchst einmal die Seitenteile verst├Ąrken. Ich m├Âchte n├Ąmlich nicht, dass die Seitenteile, an die ja der Trageriemen angebracht wird, bei Belastung l├Ąngen.

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Du siehst hier die linke Seite des Seitenteils.┬áWenn sp├Ąter das Futter dar├╝ber kommt, wird dieses kleine Helferlein nicht mehr sichtbar sein. Das Band an sich ist ein stinknormales Schleifenband, das man in jedem Drogeriemarkt kaufen kann. Vor dem Einn├Ąhen habe ich mich davon ├╝berzeugt, dass es beim Waschen nicht ausblutet. Habe ich schon erw├Ąhnt, dass die Tasche maschinenwaschbar sein wird? Ist auch wichtig, denn die Taschenklappe wird cremewei├č und aus diesem Grund mit Sicherheit┬áim Laufe der Zeit einschmutzen. Aber mit der Taschenklappe, dem eyecatcher dieses „Projekts“┬ábesch├Ąftige ich mich erst im n├Ąchsten Post…

Dann schau‘ doch einfach wieder rein ­čśÇ ! Bis dahin w├╝nsche ich dir eine sch├Âne┬áZeit ­čöć!

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