23. Juni 2017 – Die „Overlock“ und ich

Aber bevor ich dazu komme, reiche ich noch eben die Seitenteile der Tasche nach. Sie sind recht unspektakulär rot-weiß gestreift und unten, also am Taschenboden, breiter als oben.

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Da der Taschenhenkel – oder wie auch immer man das nennt – ca. 4 cm breit werden soll, hielt ich eine obere Seitenteil-Breite von 6 cm für sinnvoll, denn ich muss den Riemen ja irgendwo befestigen. Danach nähte ich die beiden Seitenteile ein…

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So weit – so gut! Dann dachte ich mir, es wäre hilfreich einfach mal irgendein Schleifenband an die Seitenteile zu zimmern, um zu sehen wie die Tasche sich beim Tragen verhält. Und was soll ich sagen: Es war absolute – und ich muss hier das Kind mal beim Namen nennen – K A C K E!!! Da das Seitenteil oben viel breiter ist als der zukünftige Schultergurt sein wird, hängt das gute Stück mehr als traurig an mir herunter. Ich könnte den Tragegurt ja auch deutlich breiter machen, aber dann sehe ich aus, als hätte ich mir ein Kofferband um den Körper geschnallt. Will ich auch nicht!!! Das wiederum bedeutet, dass ich den ganzen, bereits vernähten Käse wieder auftrennen muss – aaaaarrgh 😣!!! Dementsprechend muss ich mich jetzt erst mal selbst beatmen und die Tasche zu ihrer eigenen Sicherheit eine Weile beiseite legen…

Schließlich gibt’s ja noch ’nen Haufen anderer Arbeitsschritte! Wie wär’s denn zum Beispiel mit dem Taschenfutter? Ah ja, gute Idee 💡 !

Vor ca. einem halben Jahr habe ich mir bei Deutschlands wohl bekanntestem Discounter eine Overlock-Nähmaschine gekauft. Eine solche Maschine arbeitet im Gegensatz zu einer herkömmlichen Nähmaschine mit 4 Fäden  und ermöglicht sowohl das Versäubern der Ränder als auch das Nähen an sich in einem Schritt. Sie war wirklich günstig und, da sich die letzte verbleibende Maschine wohl gar nicht an den Mann bringen ließ, auch noch reduziert. Grundgütiger, mir blieb doch gar nichts anderes übrig als zuzuschlagen 😀 !

Wie dem auch sei – seitdem steht sie also rum (selbstverständlich vorschriftsmäßig abgedeckt!) und harrt geduldig der Dinge, die da kommen mögen. Aber jetzt ist die Zeit für ihren ersten Einsatz gekommen. Also schnappe ich mir die Bedienungsanleitung (die lese ich tatsächlich 🙂 ) und schaue mir das hübsche Maschinchen mal an. Ah ja, 4 Fäden, zwei Nadeln – eine leicht gebogen, eine gerade und ’ne Menge Mechanik. Da die Overlock bereits vom Hersteller eingefädelt wurde (Gott sei Dank!!!) soll ich laut Anweisung einen Probelauf machen, indem ich das Handrad (Nr. 9 der Explosionszeichnung) langsam zwei- oder dreimal zu mir hin drehe und überprüfe, ob sich die Fäden ziehen lassen. Ok, Handrad drehen… geht nicht!!! Die Fäden lassen sich nicht einen Millimeter ziehen. Mir wird warm! Ah, vielleicht anders herum? Geht auch nicht! WARUM DENN NICHT 😭???? Also, jetzt noch mal ganz vorsichtig, ohne Gewalt, drehen und gucken, warum der Mist nicht funktioniert. Ah, die linke Nadel setzt auf und kann gar nicht in den Nadelschacht eintreten. Sollte die vielleicht gar nicht so gebogen sein? Mal nachschauen – nein, soll sie ganz offensichtlich nicht. In der Zeichnung ist die Nadel gerade! Also Nadel auswechseln – meine Körpertemperatur steigt weiter an! Winzige Schräublein lösen und die Ersatznadel (erfreulicherweise im Lieferumfang enthalten) einsetzen. Fertig! Das Handrad lässt sich problemlos drehen! Nach Anweisung soll ich im nächsten Schritt den Stoff für einen Probelauf unter den Nähfuß (Nr. 22) legen, denselben senken und langsam nähen. Mach‘ ich, die Maschine näht leise vor sich hin surrend, die Nadeln fahren hurtig ins Gewebe… nur leider ohne einen einzigen Faden!!! Von vier wollen wir mal gar nicht träumen! Mittlerweile läuft mir der Schweiß, einem munter vor sich hinplätschernden Bächlein gleich, den verspannten Rücken herunter. Bei genauem Hinsehen – und ich sehe jetzt sehr genau hin – stelle ich fest, dass die Maschine nur teilweise eingefädelt ist und die Fäden auch noch total miteinander verzwirbelt sind. Weißt du, was das bedeutet? Ich muss anhand einer schwarz-weiß gedruckten Bedienungsanleitung vier Fäden auseinanderhalten, die kreuz und quer durch unzählige Ösen, Löcher und mit der Hand kaum zugänglichen Häkchen durch die tiefsten Eingeweide der Maschine gefädelt werden müssen. OMG – ich stehe kurz vor der Selbstentzündung! Jetzt hilft’s auch nix mit dem Hund durch die Gegend zu wanken, denn eine zündende Idee bringt mich hier kein bisschen weiter. Obwohl, wenn ich mal versuche das Ding mit dem Hammer einzufädeln… dann könnte ich zumindest anfangen langsam wieder runter zu kühlen, habe allerdings keine Overlock mehr sondern nur mehr Sperrmüll!

Aber jetzt war mein Ehrgeiz erwacht! Also her mit dem ebenfalls im Lieferumfang inbegriffenen, winzigen Pinzettchen, das ich, obwohl ich beileibe nicht zu den Grobmotorikern gehöre, kaum festhalten konnte. Wo ist diese beknackte Bedienungsanleitung? Ah da, los geht’s…

Was soll ich dir sagen, nach unzähligen Fehlversuchen, weil ich mal wieder eine Öse oder ein Mini-Häkchen übersehen hatte, habe ich es geschafft!!! Die Maschine läuft und macht eine astreine Overlock-Naht! Und ich bin ein bisschen stolz, lässt diese Aktion doch den Schluss zu, dass ich nicht komplett behämmert bin. Allerdings bleiben mir bis jetzt einige Dinge unerklärlich. Wie kann ein Faden, der n i c h t gerissen ist aus einem, in sich geschlossenen Loch, herausrutschen? Ein Fehler in der Matrix?

Rückblickend betrachtet, gehe ich davon aus, dass die Maschinen eigentlich komplett abverkauft waren, aber ein böser, böser, böser Kunde es vermurkst und das Teil dann einfach wieder umgetauscht hat. Und die liebe Petra läuft sehenden Auges in ihr – zugegebenermaßen zeitlich eng begrenztes – Unglück 😀 !!

So, das war’s für heute, hat mich doch das Aufschreiben dieser kleinen Episode wieder sooooo aufgewühlt 😉 ! Beim nächsten Mal gibt’s deutlich mehr zum Thema „Tasche“. Das Konzept steht nämlich!

Bis dahin wünsche ich dir eine schöne Zeit 💐🌻🌷!

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